Der römische Dichter Ovid nannte ihn „die Tränen der Götter“. Heute ist er auch unter dem Namen „das Gold der Ostsee“ bekannt. Beide Bezeichnungen deuten auf die Bedeutung und den Prunk hin, der von Bernstein ausgeht. Dieser ist ein wahres Multitalent. Neben der Verwendung als schönem Schmuckstein, sagt man ihm auch eine heilende, und schmerzlindernde Wirkung nach. Doch auch als wertvolle Anlagemöglichkeit hat er sich etabliert.
Bernsteine bilden sich, indem Harze von Nadelbäumen unter Luftabschluss geraten und aushärten. Heute wird vermutet, dass es sich beim baltischen Bernsteinwald um einen Kiefernwald handelte. Die genaue Lage lässt sich durch die Gletscher der Eiszeit nicht mehr rekonstruieren.
Wie alle Nadelbäume wurden von den Kiefern im Bernsteinwald Harze produziert. Diese fielen entweder in Flüsse und wurden ins Meer gespült oder der Wald wurde vom Meer geflutet. Harztropfen gelangten so in die Sedimentschicht „Blaue Erde“ und waren auf diese Weise vor der Kompostierung geschützt. Nach Überlagerung mit zahlreichen Sedimentschichten wurde das Harz vor Luft konserviert und das Gewicht erzeugt großen Druck. So konnten sich die Harze verfestigen, sodass sie nun eine steinartige Substanz bilden.
Die meisten in Deutschland zu findenden Bernsteine sind auf diese Weise vor 40 bis 50 Millionen Jahren entstanden. Die Entstehung mancher Vertreter der Bernsteine liegt jedoch bereits über 200 Millionen Jahre zurück. Das genaue Alter der Bernsteine lässt sich anhand des Sediments, in dem sie gefunden wurden, bestimmen. Durch die lange Geschichte der Steine sind viele der eingeschlossenen Tiere und Pflanzen in unserer Zeit bereits ausgestorben.
Heute werden die Bernsteine am Strand angespült. So kann man zum Beispiel an den Stränden der Ostsee Bernsteine finden. Hier besteht jedoch die Gefahr, dass man an der Ostsee bei der Bernstein-Suche auf gefährlichen weißen Phosphor stößt. Dieser stammt aus den zahlreichen Brandbomben, die von der britischen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg abgeworfen wurde.
Bernsteine kommen hauptsächlich in baltischen Regionen wie der Ostsee vor. Es gab jedoch auch zahlreiche Bernsteinfunde an der Nordsee, in Rumänien, der Ukraine, Ungarn sowie bis hin zum gesamten Mittelmeerraum. Die Bernsteinvorkommen sind jedoch nicht nur auf Europa beschränkt, sondern man findet sie auch im asiatischen Raum, wie auf den Philippinen oder Indonesien, und in Nord- und Südamerika. Häufig werden die Bernsteine nach den Regionen, in denen sie gefunden wurden, bezeichnet.
Die häufigste Form der über 80 Bernsteinarten ist der Succinit. Da in den baltischen Regionen fast ausschließlich Succinite vorkommen, werden diese auch als „Baltische Bernsteine“ bezeichnet. Diese Art besitzt eine große kommerzielle Bedeutung, da sie sich sehr gut zu Schmuck und Kunstgegenständen verarbeiten lässt, und konnte durch ihr häufiges Vorkommen im baltischen Raum am besten erforscht werden.
Man unterscheidet bei Bernstein jedoch nicht nur nach der Region, sondern auch nach der Verarbeitung. So gibt es Naturbernsteine, wo vom Rohbernstein lediglich die Verwitterungskruste abgeschliffen wurde, und in Öl klargekochten Bernstein. Dieses Verfahren wird genutzt, um Luftbläschen, die einen Stein trüb und unattraktiv gemacht haben, auszufüllen